Reise-Gedanken

„Das Leben wird nicht gemessen an der Zahl unserer Atemzüge, sondern an den Orten und Momenten, die uns den Atem rauben.“

Seit Jahren sind wir bekennende Weltenbummler, reisesüchtig im Sinne der Anklage. Wo andere lieber teure Kleider oder Schuhe kaufen, rauchen, sich ein Häusle bauen oder sonst ein teures Hobby pflegen, legen wir unser Geld für das auf die Seite, was wir am Liebsten tun: Reisen! Ganz nach dem Motto: Collect moments, not things! So haben uns unsere Reisen schon in die verschiedensten Winkel dieser Erde geführt. Da ich auf Reisen Tagebuch schreibe und auch sehr gerne fotografiere, liegt es nahe auch etwas daraus zu machen. Bereits früher habe ich unsere Reisen (etwas handgestrickter, denn damals steckte das Blogen noch in den Kinderschuhen) auf dieser Reisewebsite www.c98.ch/reisen veröffentlicht. Das Blogen habe ich dann auf unserer Weltreise entdeckt, unsere Erlebnisse findet ihr in diesem Blog: www.sunandflipflops.wordpress.com . Und weil dies so Spass gemacht habt, kommt ihr nun nach und nach in den Genuss unserer Reiseberichte ab 2012 in Blogform. Uns ist es eine schöne Erinnerung und dem einen oder anderen Leser vielleicht eine Planungshilfe oder ganz einfach ein „Fernweh-Zückerchen“! Viel Spass!img_62161272667484.jpg

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15. November 2017 Kasbah Amridil in Skoura

Heute stehen wir früh auf und nach dem sehr guten Frühstück mit frischgebackenem Fladenbrot checken wir aus. Die Unterkunft war sehr nett und sympathisch.

Wir haben zwar einen Fahrtag vor uns, nehmen uns aber trotzdem noch etwas Zeit für die sehenswerte Kasbah Amridil. Eine Empfehlung der Unterkunft und des Reiseführers. Dazu biegt man nach der Kasbah Ait BenMoro auf eine Strasse ab (ausgeschildert) und überquert dann das Flussbett.

So viele Kasbahs haben wir nun von aussen bewundert oder als in Hotel umfunktionierte Gebäude erleben dürfen, nun müssen wir unbedingt mal einen Blick in eine nach originalem Vorbild restaurierte Kasbah werfen.

Die Kasbah ist in privatem Besitz, darum zahlt man 10 Diram p. P. Eintritt. Will man einen Guide (dies lohnt sich unbedingt!) nach Reda fragen. Er spricht sehr gutes English und kennt sogar ein paar deutsche Ausdrücke. Die Tour hat uns 50 Diram gekostet, das fanden wir o.k. Als Erstes gelangen wir in einen Innenhof.

Hier sind viele Alltagsgegenstände ausgestellt.

Reda erklärt uns viel zu den einzelnen Geräte. Hier zeigt er uns sogar wie ein altes Schloss funktioniert. Leider scheint er sehr in Eile zu sein, beim Fotografieren musste ich den beiden ständig hinterherrennen.

Ein kleines Büsi begleitet uns auf dem Rundgang durch das Gebäude. Beim Brunnen turnt es auf der Mauer rum. Fall nur nicht runter, du kleiner Frechdachs😊!

Auch die Bauweise der Kasbahs ist höchst interessant. Hier eine Form, in welche der Lehm für die Wände gepresst wurde.

Die einzelnen Quader sind noch gut im Mauerwerk zu erkennen. Alle verwendeten Baumaterialien stammen hier aus der Region.

Es hat Lager-, Küchen- und auch Gebetsräume. Alles ist sehr verwinkelt, aber gut durchdacht.

Am Schluss konnten wir noch in die Höhe steigen und die wunderschön mit Ornamenten verzierte Fassade von oben bewundern.

Die Kasbah wurde auch bereits oft als Filmset genutzt. Beim Dreh zum Film „Hannah“ stieg im Nov. 2014 der Fluss Dades so stark an, dass die Filmcrew 10 Tage auf dieser Seite des Flusses festsass. Wenn man jetzt das absolut ausgetrocknete Flussbett sieht, kann man sich das nur schwer vorstellen…Die Kasbah ist übrigens auch auf der alten 50 Diram Note abgebildet. Nach der Besichtigung fahren wir noch etwas über Schotterstrassen durch die schöne Palmerie von Skoura,

aber wir geraten dadurch immer weiter weg von der Hauptstrasse und kehrten dann irgendwann um. Denn wir haben heute ja noch ein paar Kilometer hinter uns zu bringen.

14. November 2017 Dades-Schlucht

Die Anfahrt von Skoura nach Boulmane, wo die Strasse in die Dades-Schlucht abzweigt, zieht sich etwas. Aber sofort nach der Einfahrt in die Schlucht sieht man bereits die ersten Kasbahs an den Felsen kleben.

Das Wetter ist herrlich! Ein typisches Dorf in dieser Schlucht, alles ockerfarben. Die alten Kasbahs werden zum Teil immer noch als Wohnhäuser genutzt.

Der Weg hinauf durch die kargen Felslandschaft wird immer spektakulärer.

Anscheinend die meistfotografierte Felsformation Marokkos, genannt „Affenpfoten“.

Die Strasse ist meist erstaunlich gut, aber wir sind beim Kreuzen froh, dass wir nur ein kleines „Chruzli“ haben. Und Autofahrer mit Respekt vor engen, schmalen Kurven dürften hieran keine Freude haben. Die Aussicht hinunter in die Schlucht ist aber immer wieder spektakulär.

Am Fluss kann man die Bauern auf den Feldern beobachten. Es wird hier anscheinend noch sehr traditionell Landwirtschaft betrieben. Eine Kamelherde kreuzt unseren Weg.

Das Leben scheint hier noch urtümlich und einfach. Die Landschaft am Fluss wirkt idyllisch, das Leben ist jedoch wahrscheinlich hart und entbehrungsreich.

Hier durchfahren wir die schmalste Stelle der Schlucht. Die Felsen sind tatsächlich überhängend, wenn da nur nichts zur falschen Zeit runterkommt…😥

Danach folgen enge Serpentinen, wir schrauben uns in die Höhe! Zum Glück haben wir genügend Zeit und konnten bis in diesen hinteren Teil der Schlucht gelangen!

Nun liegt der Fluss weit unter uns.

Wir fahren recht zügig und erreichen tatsächlich das hinterste Dorf. Hier würde die Strasse dann ungeteert und so kehren wir um. Auch die Rückfahrt bleibt spannend, aber eigentlich müsste man sich Zeit nehmen für eine Wanderung in dieser herrlichen Umgebung. Wir gönnen uns noch einen Minztee im Le Bleu Ciel auf der Dachterrasse kurz vor Ausgang der Schlucht.

Und sagen uns, dass wir wiederkehren müssen…

Auf der Rückfahrt nach Skoura auf der „Strasse der 1000 Kasbahs“ bewundern wir im Abendlicht noch das Atlasgebirge.

Um 16.30 Uhr sind wir dann wieder in Skoura. Fazit: Wer mehr von der Schlucht sehen will und nicht nur wie wir durchfahren möchte, sollte sich unbedingt mehr Zeit nehmen. Zurück in unserem Hotel „Ait Benhadda“ kriegen wir ein gutes und günstiges Abendessen.

Leider wird uns schnell kalt und so verziehen uns bald aufs Zimmer und beschliessen für morgen ein Hotel in Taroudant zu buchen.

14. November 2017 Nach Skoura

Heute wissen wir noch nicht so genau, wie wir den Tag verbringen werden. Wir haben aber nach dem Frühstück schon mal ein Hotel in Skoura über booking.com gebucht. Ein letzter Blick in die herrliche Palmerie von Agdz

und wir fahren los. Zwischen Agdz und Ouazazate hat es eine Passstrasse, der Blick in die Geröllschluchten ist schon imposant.

So werden übrigens in Marrokko Ziegen transportiert.😆Vornedran sass noch ein Zicklein, dass hier auf dem Bild leider von der Mama verdeckt wird…

Um ca. 10.30 Uhr erreichen wir unser Hotel Ait Ben Hadda in Skoura. Obwohl wir natürlich viel zu früh sind, werden wir herzlich begrüsst. Hier müssen wir nun definitiv unser kläglich eingerostetes Französisch ausgraben😊. Es gibt den obligaten Minztee am Pool. Die Anlage wird von Einheimischen betrieben. Es ist eine renovierte Kasbah auf einem Hügel (Schotterzufahrt) mit wunderschönem Innenhof und Garten! Einfach toll wie schön man hier in Marrokko für wenig Geld wohnen kann!

Wir können unser Standardzimmer in dem einen Kasbah-Turm schon beziehen. Es ist klein, aber fein.

Leider liegt das Hotel nicht direkt in der Palmerie, aber von der authentischen Terrasse aus

hat man einen schönen Blick auf die Kasbah von Skoura, welche wir morgen besichtigen möchten.

Da das mit dem Einchecken jetzt so wunderbar reibungslos geklappt hat, beschliessen wir doch noch in die berühmte Dades-Schlucht zu fahren. Ja, es ist etwas viel Fahrerei und unser Hotelmanager meint dazu nur „Inshallah“😆, aber wir müssen halt einfach die Zeit im Auge behalten und falls nötig zu gegebener Zeit umkehren.

Und ihr werdet sehen, es lohnt sich!

13. November 2017 Die Palmerie von Agdz

Agdz liegt mitten im wunderschönen Draa-Tal und ist nicht sehr gross. Unser vorgebuchtes Hotel „Rose du Sable“ ist gut ausgeschildert und einfach zu finden. Das Auto stellen wir auf der Strasse davor ab. Der Innenhof mit Minipool ist sehr hübsch und ruhig. Wir haben ein Zimmer mit eigenem Bad im Obergeschoss. Es ist perfekt sauber, nur etwas düster.Die hübsche Terrasse vor dem Zimmer lädt zum Verweilen ein.Wir möchten jetzt aber noch etwas die Gegend erkunden und lassen uns vom sehr korrekten Angestellten des Hauses den Weg in die Palmerie beschreiben. Wir laufen bis zu einer nahegelegenen Kasbah.Dort zweigt ein Weg ab in die Palmerie. Der Spaziergang ist dann wirklich wunderbar. Kühl, still und nur ein paar Bauernfrauen kommen uns entgegen. Die Feuchtigkeit des Bodens wird ausgenutzt und es wird Landwirtschaft betrieben. Besonders schön jedoch ist der Blick in die Palmerie selbst, mit dem Gipfel des Jbel Kissane im Hintergrund! Eines meiner Lieblingsbilder von Marrokko! Wer hätte gedacht, dass wir hier eine solche Naturschönheit entdecken dürfen! Viel zu bald sind wir dann auch schon wieder zurück beim Hotel. Den Rest des Abends verbringen wir auf der Terrasse.Von hier aus kann man ganz gut das Treiben auf dem nahen Platz beobachtenund auch der Blick in die Palmerie zur nahen Kasbah ist ganz idyllisch.Abendessen tun wir dann auch gleich hier im Hotel. Agdz ist weniger touristisch und es hat nicht viele Restaurants in der Stadt zur Auswahl. Das Essen fand ich jetzt aber für den gesalzenen Preis nicht so speziell. Auch wenn das Hotel ganz schön liegt, ist es generell die erste Unterkunft bei der für mich das Preis-Leistungsverhältnis nicht so ganz stimmt. Aber Agdz mit seiner Palmerie an sich, ist ganz klar eine Empfehlung wert!

13. November 2017 Sahara und Fahrt durchs Draatal

Der Wecker klingelt um 6.20 Uhr. Wir haben dank Thermounterwäsche und Mütze trotz Kälte erstaunlich gut geschlafen. Wir stehen auf, wecken noch Jasmin im Zelt nebenan und dann laufen wir auf die nächsthöhere Düne, von der man einen schönen Blick in die Sahara hat. Hinter der Bergkette liegt Algerien.Und so geniessen wir den Sonnenaufgang. Die Stimmung ist sehr schön, wenn auch das Farbenspiel nicht ganz so überwältigend ist, wie wir es in der Namib-Wüste erlebt haben.Es ist still und nach Sonnenaufgang wird es sofort wärmer.Ich hätte es hier mitten in der Wüste noch lange ausgehalten, aber wir müssen zurück zum Camp. Dort wird uns Frühstück und der obligate „Berber Whisky“😊 serviert. Zusätzliche Getränke würde man extra bezahlen. Dann wird zusammengeräumt und die Fahrt mit dem 4×4 zurück nach Mhamid beginnt. Heute wählt unser Driver einen anderen Weg der mir sogar noch besser gefällt als die Hinfahrt, da er vermehrt durch Dünenlandschaft führt.Auf einem Hügel steht ein Schulgebäude für die Nomadenkinder, von der Regierung erbaut. Nur wird es nicht benutzt, es hat nicht funktioniert, keiner kam…🙄 Über Rucola-Felder an vielen Dromedaren vorbei (die übrigens nicht wild sind, sondern alle jemandem gehören), erreichen wir um ca. 10.30 Uhr Mhamid. Im Hotel zahlen wir noch die Unterkunft und die Tour. Jetzt in der Nebensaison hätten wir die Tour sicher nicht vorbuchen müssen, im Gegenteil: Wir hätten den Preis von 85 Euro p. P. wahrscheinlich locker noch um einen Drittel runterhandeln können. Aber sie war wirklich sehr professionell gemacht und die Unterkunft und vor allem die Guides waren klasse, gerne hätten wir ihnen einen grösseren Anteil, als sie höchstwahrscheinlich abkriegen, zukommen lassen! Nachdem wir an die Guides dann wenigstens noch Schweizer Schokolade verschenkt haben (mit etwas schlechtem Gewissen angesichts ihrer schlechten Zähne!😁), fahren wir los. Heute haben wir etwas mehr Zeit für das sehenswerte Draa-Tal. Hier der Fluss (momentan eher ein Rinnsaal), welches das wunderbare Grün in dieser sonst kargen Landschaft hervorbringt.Nach ca. 1,5h Fahrt machen wir im hübschen Garten vom Fibule du Draa in Zagora wiederum Mittagspause und finden jetzt doch auch noch eine Kopie des berühmte Wegweisers, welches vor Jahren den Karawanen den Weg und die Dauer ihrer Reise nach Timbuktu wies.Der nächste Teil der Fahrt zwischen Zagora und Agdz ist dann sicher ein Highlight. Links die Felswand rechts die Palmerie des Draatals mit markanten Felswänden im Hintergrundund vielen mehr oder weniger gut erhaltenen Kasbahs. Wirklich sehr schön! Bald darauf erreichen wir Agdz. 

12. November 2017 Kamelritt in den Sunset

Dann wird es langsam Abend und unsere Kameltour steht bevor. Darauf hatte ich mich besonders gefreut!😀Die Wüstenschiffe sind schon bereit. Michael und ich kriegen die beiden hintersten Dromedare. Alles wird gut festgezurrt.dann gilt es sich gut festzuhalten, unser Guide gibt einen kurzen Befehl und schon befindet man sich rund 2 Meter über dem Boden! Das sieht doch schon ganz professionell aus…😊Dann wird losgeschaukelt. Mir macht es grossen Spass und nach ein bisschen Angewöhnungszeit kann ich mich immer mehr entspannen.Das Schaukeln finde ich recht angenehm, nur wenn es eine Düne runtergeht muss man sich gut festhalten. Die herrliche Landschaft tut ihr übriges dazu!Michael ist etwas weniger glücklich, ihm tut schon nach kurzer Zeit das Hintern weh,😁 zudem hat er ein Dromedar mit einer üblen Verdauung erwischt.So ist er ganz happy, als wir zum Sonnenuntergang absteigen und auf eine Düne klettern. Die Stimmung ist andächtig, bis das Mobiltelefon unseres älteren Tuareg-Kamelführers läutet😃. Unglaublich, der hat hier draussen Empfang! Trotzdem, die Stimmung, die Farben und die Weite ist umwerfend! Die Sonne geht über dem Grenzgebiet zu Algerien als roter Feuerball unter.Danach gibt es kein Pardon, auch geschundene Hintern müssen wieder aufsitzen.😉 Michael und sein ständig rülpsender Kollege😙.Und es geht langsam schaukelnd durch die nun herrliche Stille der Wüste zurück ins Camp. Wir bewundern auf Matratzen vor dem Camp noch den beeindruckenden Sternenhimmel. Dann gibt es Abendessen (Suppe, Ziegen-Tajine und Früchte). Eigentlich wären wir jetzt schon müde, aber es folgt noch ein Abendprogramm. Der junge Mann, der unser Gastgeber ist, ist ein echter Nachkomme der Tuaregs und so wird in der Mitte des Camps ein Lagerfeuer entfacht und dann werden die Trommeln hervorgeholt. Ein älterer Franzose, der heute Abend noch mit seiner Frau zum Team hinzugestossen ist, beherrscht das Trommeln ziemlich gut und so werden spontane Trommel und Gesangs-Sessions abgehalten.Das gehört zur Kultur der Tuaregs. So hat man sich früher (vor den Zeiten des Fernsehens, Radios und Internets) Geschichten erzählt. Wir plaudern noch etwas mit den Guides bis das Feuer erloschen ist und gehen dann schlafen. Es ist jetzt sehr kalt geworden. Wir ziehen alles an, was wir mitgebracht haben inkl. Thermounterwäsche, aber hätten wir uns nicht aneinanderkuscheln können, wir hätten trotzdem gefroren. Die Nacht ist sehr still, nur einmal höre etwas am Zelt kratzen. Was das wohl war? 

12. November 2017 Sandboarden ähm …rutschen😉

Nach so viel süssem Tee und einer kurzen Siesta sind wir gestärkt und los geht’s zum Sandboarden. Neben Jasmin ist jetzt noch ein junges französisches Pärchen zu uns gestossen, die wohl in einem anderen Auto hierher gefahren wurden.Man setzt sich auf das Brettchen und ab geht die Post.Zum richtig stehend Boarden auf dem Brett ist die Düne zu steil und wenn man bedenkt wie weit weg der nächste Notarzt sich befindet, ist es wohl wirklich sinnvoll das sein zu lassen😁! Das Dünen wieder rauf klettern ist echt anstrengend und ich verzichte dankend und mache lieber Fotos dieser herrlichen Dünenlandschaft hier! ln der Ferne sieht man unser Camp. Es ist wirklich genau am Rande der Sandwüste gelegen, was aus logistischen Gründen natürlich sinnvoll ist, wenn man bedenkt dass ja alles dahin gefahren werden muss. In die andere Richtung ist aber nichts als Sand, Sand und nochmal Sand zu sehen! Grandios!